Das Timing und die Fehlstellungen

 

Das Timing der Überweisung

Selbstverständlich können Sie uns die Patienten immer zuweisen, wenn Sie nicht ganz sicher sind, wann der beste Zeitpunkt dafür ist. Unten sind einige Anhaltspunkte zusammengestellt, die Ihnen als Entscheidungshilfe dienen sollen, wenn Sie den Zeitpunkt optimieren wollen.

 

Bei Erwachsenen ist eher die Motivationslage entscheidend. Ohne Behandlungsbereitschaft (= Bereitschaft, eine Apparatur zu tragen und zu finanzieren) wird eine den Zahnarzt noch so sehr störende Abweichung unkorrigiert bleiben. Die Aufwand/Ertrag-Relation ist von Fall zu Fall verschieden und muss individuell besprochen werden.

 

Kieferorthopädische Notfälle

Unfälle

Bei Zahnintrusionen mit geschlossenem Apex stellt die orthodontische Extrusion nach Lockerung die Behandlung der Wahl dar. (Andreasen)
Retinierte Zähne mit Resorbtionen der Nachbarwurzeln.

 

Nach Einreihung der Eckzähne tragen die Zähne 2+2 die Resorbtionsspuren.

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Unkontrollierte Apparaturen

Beispielsweise konfektionierte Drähte von hoher Aktivität, wie Reverse-curve-NiTi, können unkontrolliert die Zähne aus dem Knochen hinausbewegen.

 

 

Durchbruchsstörungen

Patienten mit retinierten Zähnen sollen dem Kieferorthopäden überwiesen werden. Verzögerungen von Wochen spielen keine Rolle. Mehrere Monate oder Jahre schon. Letzteres ist keine Rarität.

 

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Welche Störung soll früh behandelt werden?

Funktionelle Probleme der Weichteile und der Okklusion sollen so früh überwiesen werden, wie es die Kooperationsbereitschaft des Kindes zulässt, also ca. ab dem 5. bis 6. Altersjahr.

 

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Der lutschbedingte offene Biss

Spätestens ab dem 4. Altersjahr soll das Lutschen aufhören. Der erste Behandlungsschritt besteht aus der Elimination der schlechten Gewohnheit. (Wir alle wissen, dass es nicht einfach ist.) Bei Persistenz des offenen Bisses sollte das Kind dem Kieferorthopäden überwiesen werden.

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Der offene Biss mit Zungeninterposition

Für diesen Zustand der positiven Rückkopplung gilt das oben genannte Überweisungskriterium.

 

nach 3 Jahren Wachstumsbeeinflussung.

 

 

Die Mundatmung

Durch behinderte Nasenatmung ist man zur Mundatmung gezwungen. Das Kräftegleichgewicht des oro-fazialen Systems ist in dem Sinne gestört, dass zu viel Vertikalentwicklung im Viszerokranium stattfindet. Gleichzeitig gibt es zu wenig Breitenentwicklung im Oberkiefer. Die Nasenatmung soll also baldmöglichst erleichtert werden. Hier sind deshalb auch der Kinder- und der ORL-Arzt beizuziehen. Für die Kieferorthopädie gilt das oben gesagte.

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Der funktionelle Kreuzbiss seitlich

Für die forcierte Dehnung des Oberkiefers ist es wünschenswert, dass die Zähne V+V noch fest sind. Je nach Kooperationsbereitschaft kann mit der Überweisung bis zum 9. Altersjahr gewartet werden. Eine frühere Überweisung schadet nicht.

 

 

Der funktionelle Kreuzbiss vorne

Diese Fehlstellung sollte behandelt werden, sobald es die Kooperationsbereitschaft zulässt.

 

 

Die Klasse II oder die relative Rücklage des Unterkiefers

Das Wachstumspotential soll ausgenutzt werden. Deshalb sollte der Kieferorthopäde unbedingt vor dem pubertären Wachstumsspurt aufgesucht werden.

 

Hier wurde Wachstum von der Natur zur Verfügung gestellt und es konnte genutzt werden.

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Die Kooperation

Pubertierende Jugendliche arbeiten manchmal ausgezeichnet mit, oft aber sehr schlecht. 9 bis 11-jährige sind sehr oft exzellente Mitarbeiter. Deshalb soll mit der Überweisung nicht bis unmittelbar vor dem pubertären Wachstumsspurt gewartet werden.

 

 

Die Unterlippeninterposition

Wie oben erwähnt, ist bei funktionellen Problemen eine frühe Überweisung und Behandlung wünschenswert. Also frühestens ca. ab dem 6. Altersjahr. Mit 8 bis 10 Jahren ist es nicht zu spät, doch nimmt der Frontzahnabstand durch die Unterlippeninterposition zu. Das erhöhte Traumarisiko der exponierten Oberkieferfront ist ein Grund mehr, den Mundschluss früh zu normalisieren.

 

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Der Unterkieferengstand und die Klasse II

Es ist schwierig, eine Klasse II nach Extraktionen im Unterkiefer in eine stabile Klasse I zu überführen. Wir sind deshalb froh, wenn bei Klasse II im Unterkiefer nicht extrahiert werden muss. Platzverlust im Unterkiefer soll deshalb ganz besonders bei Klasse II vermieden werden. Bei einem Unterbruch der Bogenkontinuität im Unterkiefer ist eine Intervention angezeigt. Der Zahnwechsel in der Stützzone soll bei Frontzahnengstand nicht tatenlos abgewartet werden, wenn am Schluss der Gebissentwicklung gerade Zähne gefordert sind. Der Kieferorthopäde soll entscheiden, ob der physiologische Platzverlust während der Abtauschvorgänge in Kauf genommen werden kann. Schwierige Erwachsenenbehandlungen resultieren aus dem Kontinuitätsverlust im Unterkiefer!

 

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Das hätte bei den oben gezeigten Erwachsenen in der Kindheit hergestellt werden sollen.

 

 

 

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Der Engstand und der Platzmangel

Die intermaxilläre Relation

Wie bei der Klasse II erwähnt ist der Engstand je nach Verzahnung und Kieferrelation verschieden zu werten. (siehe oben)

 

Die Unterbrüche im Zahnbogen
Bei länger dauernden Unterbrüchen der Zahnbögen ist mit zunehmendem Platzverlust zu rechnen. Ein Nichteingreifen kann bedeuten, dass man die Entwicklung in Richtung Extraktionen bleibender Zähne steuert. Handelt es sich dabei um den Unterkiefer, bedeutet das in der Regel die Extraktion von 4 Prämolaren (OK/UK, links/rechts) und eine Behandlung mittels vollfixer Apparatur. Mit Unterbrüchen im Zahnbogen sind nicht die physiologischen Lücken während des Zahnwechsels gemeint.

 

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Der Engstand ohne Lücken

Wenn sonst kein Problem besteht, sollte spätestens vor dem Zahnwechsel in der Stützzone überwiesen werden, wenn prospektiv gerade Zähne gewünscht werden, damit dem Kieferorthopäden mehr „non-Ex-Spielraum“ zur Verfügung steht, wie es nach dem Zahnwechsel der Fall wäre.

 

Der massive Engstand bei guter intermaxillärer Relation
Wenn klar ist, dass extrahiert werden muss, kann bei guter Verzahnung beliebig lang (bis ins Erwachsenenalter) mit der Behandlung gewartet werden.

 

CAVE
Extraktionen oder Retentionen einzelner Zähne im Unterkiefer
Beides führt oft zu äußerst ungünstigen Situationen beim Erwachsenen, aus welchen schwierige und sehr aufwendige Erwachsenenbehandlungen resultieren.

 

 


Beispiel 1: So lieber nicht

 

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Beispiel 2: So lieber nicht

 

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Beispiel 3: Lieber so

 


 

 

 

 

Beispiel 4: Lieber so


 

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Nichtanlagen – fehlende Zähne

Die Nichtanlage muss im Zusammenhang mit der gesamten Gebisssituation beurteilt werden.
Wenn keine Gründe für eine frühere Überweisung sprechen, so ist  bei ca. 9 bis 10-jährigen eine Beurteilung durch den Kieferorthopäden sinnvoll.

 

Ankylosierte Milchzähne

Ankylosierte Milchzähne mit oder ohne Nachfolger müssen entfernt werden, sobald Deformationen des Alveolarfortsatzes entstehen würden. Selbstverständlich sind nach der Extraktion haltende Massnahmen vorzunehmen.

 

Die Transplantation des Zahnkeims

Nicht an jeder Stelle des Gebisses ist der Lückenschluss gleich willkommen oder gleich problematisch. Deshalb sind Transplantationen oft hilfreich. Die optimale Zeit ist da, wenn die Wurzellänge 50% bis 66% erreicht hat. Diese Massnahme ist in den Rahmen eines Gesamtbehandlungskonzeptes einzugliedern.

 

Insgesamt fehlen 4 Prämolaren, davon 2 nebeneinander. Der Zahn 5- wurde von rechts nach links transplantiert. In jedem Quadrant wurde eine Prämolarenlücke geschlossen.

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Ja, die Gingivitis stört auch den Behandler!

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